Kaffee gleich Kaffee?!

Ein Blick auf die Qualität des Lebensmittels aus Sicht eines Lebensmitteltechnologen.

Dass Kaffee mehr als nur ein Wachmacher – ja sogar ein wahrer Genuss ist, dass weiß vor allem auch Jan Frodeno. Da ich kein passendes Kaffeefoto in meinem Archiv gefunden habe, fiel die Wahl auf den größten Kaffeegenießer der Triathlonszene. Mit 166 Liter pro Kopf liegt Kaffee an der Spitze des deutschen Getränkekonsums. Damit konsumieren wir mehr Kaffee als die, zu einer Gruppe zusammengefassten, Mineral-, Quell- und Trinkwasser (Quelle Pro-Kopf-Konsum von Getränken in Deutschland nach Segmenten bis 2019 | Statista). Daher lohnt es sich einen näheren Blick auf dieses Lebensmittel zu werfen.

Beginnen wir mit den zwei Hauptsorten Arabica und Robusta. Oft wird letztere Sorte als schlechtere Qualität angesehen, was ihr definitiv nicht gerecht wird. Sie enthält ungefähr doppelt so viel Koffein als die beliebte Arabica Bohne und erzeugt eine schönere Crema. Beides Merkmale, was diese Bohne vor allem für Espresso Fans auf den Plan ruft. Am wichtigsten bei der Erzeugung eines ansprechenden Aromaprofils erscheint mir persönlich jedoch der Röstprozess. Während die Industrie auf Grund der hohen Menge vor allem auf vollkontinuierliche Röster setzt, verwenden kleinere Röstereien meist Chargenröster. Letzterer hat den Vorteil, dass sich die Temperatur viel leichter steuern lässt und der Kaffee dabei schonender geröstet werden kann. Da Zeit ein Kostenfaktor für die Industrie ist, wählen sie meist höhere Temperaturen, was sich negativ aufs Aromaprofil auswirkt. Dabei entstehen z.B. spitze Säuren und brandige Noten.

Im Gegensatz zum Tee kommt Kaffee unverarbeitet also als Rohkaffee zu uns nach Deutschland und wird bei uns geröstet. Hierbei sollte man erwähnen, dass unser Staat darauf eine Steuer von 2,19 € pro geröstetem Kilo Kaffee erhebt. Auf löslichen Kaffee entfallen sogar 4,78 €/kg. Dies macht Kaffee in Deutschland erheblich teurer. Vergleicht man nun die Preise im Lebensmitteleinzelhandel gibt es teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Eigenmarken der Supermärkte, den „Marken-“ Kaffees und den Kaffees aus kleineren Röstereien. Die als hoch empfunden Preisunterschiede beziehen sich oft auf den Kilo oder 500 Gramm Preis. Im Schnitt werden für eine Tasse Kaffee 7 g gerösteter Kaffee benötigt. Da liegt der Unterschied zwischen einem „Billig“ Kaffee und einem Teuren lediglich bei wenigen Cent (zwischen 10 und 15 Cent). So kostet z.B. eine Tasse Kaffee von einer Röstung für über 28 €/Kg nur 20 Cent. „Aber ein Kaffee in der Gastronomie kostet doch über 2 €“. Ups da habe ich ich wohl ein sehr gewinnbringendes Produkt in der Gastronomie enttarnt.

Spätestens jetzt sollte man sich überlegen, ob man sich für zuhause nicht lieber einen Kaffee einer Rösterei gönnt, sofern dieser besser schmeckt. Besonders interessant fand ich dabei den Selbstversuch bei mir zuhause. Meine Freundin Jessica trank ihren Kaffee aus dem Supermarkt mit Milch und zwei Süßstoff. Als ich ihr dann mal einen Kaffee einer Rösterei zum Probieren gab, konnte sie die Süßstoff Menge um die Hälfte reduzieren. Meine Schwester verzichtet sogar ganz auf Süßungsmittel. Wenn man überlegt, dass Kaffee ein Genussmittel ist und von seinem charakteristischen Aromaprofil lebt, ist es eine Schande diese mit Unmengen von Zucker oder Süßstoff zu überdecken. Neben dem Genuss tut ihr dabei auch noch etwas für eure Gesundheit wenn ihr die Süßstoff-/Zuckermenge reduziert.

Dies war ein kleiner Einblick auf das Getränk Nummer 1 in Deutschland aus Sicht eines Lebensmitteltechnologen. Selbstverständlich könnte ich hier noch weitere Punkte der Herstellung erläutern. Ich wollte mich jedoch auf das aus meiner Sicht Wesentliche konzentrieren.

Ich hoffe es hat euch gefallen.

Habt ihr Fragen? Kommentiert den Beitrag gerne hier oder auf dem Kanal, durch den ihr auf diesen Artikel aufmerksam geworden seid.

2 Kommentare zu „Kaffee gleich Kaffee?!

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