Last man standing

In der Vorbereitung auf meine Langdistanz war für mich vor allem eins gefragt: mentale Stärke. Was ich damit meine, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Denkt man an einen Ironman, dann kommen einem erstmal die unfassbaren sportlichen Leistungen in den Kopf: 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und dann noch einen Marathon laufen. Im nächsten Schritt denkt man dann an die Vorbereitung auf ein solches Ereignis. Unzählige Trainingsstunden sind dafür nötig. Wochen Stunden zwischen 12 und 20 Stunden sind gerade in den letzten 3 Monaten vor dem Wettkampf die Regel. Aber im Vergleich zu deutlich kürzeren Distanzen ist die Vorbereitung deutlich weniger intensiv. Lang und locker ist das Motto. Läufe über 2 Stunden, Radfahrten zwischen 3 und 6 Stunden und Schwimmeinheiten bis zu 1,5 Stunden standen fast jede Woche auf dem Plan. Eine wichtige Rolle spielt da auch die Versorgung mit Energie während des Trainings. Wenn man das gewissenhaft macht, sind die Trainingseinheiten, die nach und nach behutsam gesteigert wurden, körperlich sehr gut verkraftbar. Selbstverständlich spielt auch die Regeneration eine wichtige Rolle. Ohne eine vernünftige Nachbereitung des Trainings, ist man im nächsten Training nicht wieder voll leistungsfähig.

Für mich war das mit meiner Liebe zum Detail aber gar nicht die größte Herausforderung. Viel mehr hat mich mein Kopf gefordert. Der sehr wechselhafte Sommer hatte mich zusätzlich gefordert: ständiger Blick auf Wettervorhersagen, Regenradar, eine Woche kalt und in der nächsten Woche heiß. Da musste ich auch mal eine 180 km Radfahrt von 9 auf halb 12 umlegen. Da war der Tag danach gelaufen. Da sich das Programm über mehrere Wochen erstreckte, kannte ich auch schon bald jeden Grashalm auf meinen Strecken. So kam ich auf die Idee meinen Traum, von München nach Freising zu laufen, umzusetzen. Von „Alte Heide“ bis zum Freisinger Bahnhof sind es ziemlich genau 30 km. perfekt für einen langen Lauf. Auch eine Ausfahrt gemeinsam mit Tanja und Tom über die Thierseestraße nach Kufstein machten das Training wieder kurzweilig.

Die Not machte mich erfinderisch. Zusätzlich spürte ich, wie sich mein Körper nach und nach den Belastungen anpasste. Sogar die Schwimmform ist mittlerweile so gut, dass ich mich richtig auf die 3,8 km im Main-Donau-Kanal freue. Was ich allerdings nicht beeinflussen konnte und kann, ist die Radstreckenänderung in Roth. Auf Grund von Hotspotvermeidung und Baustellen auf der ursprünglichen Strecke gab es eine Anpassung, die auch die Gesamtstrecke auf circa 170 km verkürzt. Damit musste ich erstmal klarkommen. Für mich ist es die erste Langdistanz – die Erfüllung eines Lebenstraums. Da willst du nicht jedes Mal dazu sagen müssen: „Aber die Radstrecke war kürzer“. Da ich mich mittlerweile fast 3 Jahre darauf vorbereite und ehrlich gesagt das für mich einfach nur noch abhacken will, habe ich meinen Frieden mit diesem Makel geschlossen. Leichter wird eine Langdistanz auch mit 10 km weniger auf dem Rad definitiv nicht. Einzig die Zielzeit, wird wenig vergleichbar sein. Aber ganz ehrlich: beim ersten Mal ist das völlig egal. Ich habe für mich einen Plan im Kopf, wie ich mir das Rennen einteile und wenn ich die Ziellinie erreiche, werde ich so oder so überglücklich sein.

An dieser Stelle möchte ich hervorheben, wie wichtig das Umfeld und Rückhalt für mich ist. Ohne Familie, Freunde und Triathlongemeinschaft wird es für den Kopf nochmal richtig schwer. Dabei geht es nicht nur um gut zureden oder Aufgaben im Alltag abzunehmen, es geht auch um die gemeinsame Zeit, die durch das hohe Trainingsvolumen leider oft zu kurz kommt. Menschen in meinem Leben, die das für mich in Kauf nehmen und trotzdem jederzeit für mich da sind, sind unbezahlbar und die Geheimwaffe für jeden Triathleten, der sich eine Langdistanz zur Aufgabe gemacht hat. Für diese Menschen werde ich alles geben.

Ich bin also bereit für den WettKAMPF – den Kampf gegen mich selbst. Die Vorfreude ist auf jeden Fall riesig in 16 Tagen (5.9.) beim Challenge Roth mir meinen Lebenstraum zu erfüllen.

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