Ironman 70.3 Zell am See – der Saisonhöhepunkt

Auch wenn ich knapp an der Fünf-Stundenmarke gescheitert bin, kam mit stressiger Arbeitswoche, Dauerregen und einem Murenabgang auf der Radstrecke ein nahezu perfektes Rennen heraus. Mehr dazu lest ihr hier:

Die Wettkampfwoche begann mit einer Dienstreise nach Tel Aviv/Israel. Es war meine erste Reise in dieses Land und ich wusste so gar nicht, was mich erwartet. Vor Ort hatte ich mit 100 m Entfernung zur Strandpromenade und 500 m zu einem 50m Salzwasserpool nahezu perfekte Bedingungen, sodass ich mich auch in den Randzeiten vernünftig auf das Wettkampfwochenende vorbereiten konnte. Alle Menschen, die mir dabei begegneten versprühten Lebensfreude und Aktivitätsdrang. So war es auch wenig verwunderlich, dass mir bei meinen beiden Morgenläufen kurz nach Sonnaufgang unzählige Läufer entgegenkamen. Gut mit 25 °C und gefühlter 80-90% rel. Luftfeuchte, war das die einzige Zeit am Tag mit halbwegs erträglichen Laufbedingungen. Der Rückflug mit insgesamt zweistündigen Sicherheitscheck (vor allem Schlange stehen) gestaltete sich dann doch etwas stressig. So musste ich in weiser Voraussicht meiner Kollegen bereits um 2 Uhr nach deutscher (3 Uhr israelischer) Zeit aufstehen, dass wir rechtzeitig am Flughafen waren. Da Reisezeit auch Arbeitszeit ist, mussten auf dem Flug noch ein paar Dinge erledigt werden. Schlaf bekam ich also keinen. Gegen Mittag war ich dann in Kirchdorf, wo ich binnen zwei Stunden das Auto mit allen Wettkampfutensilien beladen und zu Mittag gegessen habe. Um 14 Uhr sind Niklas und ich dann schon nach Zell am See aufgebrochen.

Kurz vor 18 Uhr kamen wir dann in Zell am See an. Genau richtig, um als letzter Athlet des Tages noch meine Startunterlagen zu erhalten. Im Anschluss ging es noch zum Schwimmstart. Niklas wollte noch eine Runde schwimmen. Während ich mir die Zeit mit dem Austausch spanischer Athleten verkürzte, zog eine dicke Regenfront auf. Ich rettete noch die Klamotten von Niklas und dachte mir: puh das kann ja was werden am Sonntag. Denn für den Wettkampftag war mehr oder weniger Durchgängig Regen angesagt.

Der Samstag gestaltete sich überaus entspannt. Die Wettkampfbesprechung zog ich mir auf YouTube im Hotelbett rein. Danach ging es noch für 30 min aufs Rad und für 10 min in die Laufschuhe. Nach einem kleinen kohlenhydratreichen Mittagessen ging es zum CheckIn. Da ich im am Wettkampftag sowieso nochmal an alle Beutel durfte und lediglich Rad und Helm über Nacht in der Wechselzone verbleiben mussten, nahm ich allerdings nicht viel mit. Es war Dauerregen ab Nachmittag bis in die Nacht hinein vorhergesagt. So tütete ich am Rad alle Elemente der elektronischen Schaltung ein, um sie vorm Regen zu schützen. Das beeindruckte nicht nur die anderen Athleten, sondern auch einen Kampfrichter. Ein Athlet wurde dadurch so nervös, dass er sich über ein Geschenk von 5 Tüten meiner Müllbeutelrolle riesig freute. Am Abend gabs dann den obligatorischen Gang zum Italiener. Zu meiner Freude stieß meine Trainerin Theresa dazu – das erste Rennen von mir, bei dem sie live vor Ort war. Die Konstellation aus angehenden Profi-Triathlet Niklas, Sportwissenschaftlerin und Triathlon B Trainerin Theresa und mir entfachte nach kürzester Zeit ein Fachgespräch über Triathlon, bei denen wahrscheinlich viele die Flucht ergriffen hätten. Im einsetzenden Dauerregen gab es für Niklas und mich dann noch einen Bonussprint zurück zum Hotel, bevor es dann ins Bett ging.

Der Wettkampfmorgen gestaltete sich entspannt. Mit einer Startzeit von 11:00 Uhr – warum weiß keiner so genau – konnten wir entspannt das Frühstück um 7:30 zu uns nehmen. Auf dem Zimmer noch entspannt die Wettkampfverpflegung angemischt und alles gepackt. Um kurz nach 9 bin ich dann in der Wechselzone eingetroffen und präparierte die Wechselbeutel und führte noch einen Funktionscheck der Schaltung am Rad durch. Die Plastiktüten erfüllten ihr Zweck – alles funktionstüchtig. Nun ging es in den Vorstartbereich, in dem ich von einem Murenabgang auf der Radstrecke erfuhr. Lt. Veranstalter versuchte die örtliche Feuerwehr sowie weitere Freiwillige die Strecke noch rechtzeitig zu räumen. Hätten sie es nicht geschafft, hätten wir mit offizieller Ab- und Aufstiegslinie ein Stück schieben dürfen. Aber so viel vorweg: sie haben es geschafft.

Nach einem Warmup im Trockenen und im See begab ich mich in den Vorstartbereich. Selbstbewusst sortierte ich mich in die Gruppe der Schwimmer 30-35 min ein. Das muss drin sein nach den 68 min über die doppelte Distanz bei der Rothstaffel, dachte ich mir. Bis es dann endlich für mich los ging vergingen mehr als 20 min, in den nach den Profis auch die schnellste Amateure auf die Strecke geschickt wurden. Für uns war es ein s.g. Rolling Start, d.h. alle paar Sekunden wurden 5 Athleten über eine Rampe auf die Schwimmstrecke geschickt. Bereits auf der Rampe überholte ich den Athlet vor mir. Durch das Startprozedere war das Feld weit auseinandergezerrt, sodass es nur wenig Positionskämpfe gab. Die Strecke war relativ einfach gestaltet: ungefähr die Hälft der Distanz schwamm man hinaus, dann 30 min nach links und danach wieder zurück. Die Orientierung bei dem trüben Wetter war dank farbigen Bojen sehr einfach auch wenn das Ziel ein schwarzer Luftschlauchbogen war. Für mich hieß sowieso nur der Masse hinterher schwimmen. Ein wenig überrascht wurde ich dann von auftretenden Wellen. Diese konnte eigentlich nur von einem Boot kommen. Zeit für Ursachenforschung war aber keine. Situation annehmen, auf die Technik fokussieren und nach 34:44 (lt. Veranstalter) aus dem Wasser steigen.

Der erste Wechsel verlief nahezu reibungslos. Die Radschuhe waren selbstbewusst am Rad befestigt. Chris jetzt kommt deine Stärke“ schrie Theresa mir zu.
Sie sollte recht behalten.

Lt. Ironman Tracker habe ich mich beim ersten Wechsel um 108 Plätze auf 283 (von 1536 Männern) verbessert. Das war gut, denn die Taktik war sich bis zum Einstieg in den Filzensattel zurückzuhalten. Smart, aber fair überholte ich und blieb bei ähnlich schnellen auch mal ruhig und reihte mich hinten ein. Dank Streckencheck wusste ich, dass ich am Ende der Bundesstraße idealerweise freie Fahrt haben sollte. Denn es ging in eine kleine Abfahrt, in der man den Schwung mit in den Anstieg nehmen konnte. Gesagt getan. Am Anstieg bin ich dann mit deutlich mehr Leistung gefahren. Zu meiner eigenen Verwunderung machte ich auch da Plätze gut. Für einen schweren Athleten wie mich ist dies keine Selbstverständlichkeit. Oben am Filzensattel angekommen, begann MEIN Rennen. Eine nasse Abfahrt, anfangs technisch danach einfach nur schnell: wie gemalt für mich.
Der technische Abschnitt war mit Serpentinen gespickt, die zu machten. Problem Nr. 1: Bremswirkung auf Carbonbremsflanken sehr gering, Nr. 2 langsame Athleten, in die ich fast reinfuhr – also Harakiri vorbei. Die sicherste Variante für alle Beteiligten.

Abfahrt vom Filzensattel

Danach folgte der Abschnitt, in dem man es richtig laufen lassen konnte. Mir gingen teilweise die Gänge aus, sodass ich fast im Leerlauf trat. (Das bedeutet deutlich über 60 km/h)
Im Anschluss folgten „rolling hills“ bis Zell. In diesem Teil gab es über Nacht einen Murenabgang. Dank der örtlichen Feuerwehr war die Strecke aber rechtzeitig frei. Ein großer Dank an dieser Stelle dafür.
In Zell fuhr ich auf eine für Ironman berüchtigte RTF Gruppe von ca. 30 Fahrern auf. -D.h. an die 12m Windschattenregel hielt sich quasi niemand in dieser Gruppe. Durcharbeiten, hätte mich selbst zum Windschatten- „Lutscher“ gemacht, weil es die Strecke es an dieser Stelle nicht anders zugelassen hätte. Kurz nach Zell gab es dann ein längeres leicht abschüssiges Stück. Ich fasste mein Herz legte 300 Watt auf und fuhr in einem Rutsch an der ganzen Gruppe vorbei. Kurz noch eine Lücke gerissen, dass ich nicht zum „Lokführer“ der Gruppe wurde und dann bin ich wieder meine Leistungswerte bis zum zweiten Wechsel gefahren.

Auch der 2. Wechsel verlief schnell, sodass ich als 182. Mann auf die Laufstrecke ging. Bereits nach 500 m realisierte ich, dass es zu schnell war. Ich nahm sofort das Tempo raus. Teile der Laufstrecke hatte ich mir im Vorfeld ebenfalls angeschaut. Sie verlief bei weitem nicht so flach, wie sie beschrieben war. So pacte ich mich komplett nach Gefühl. Ich glaube, dass ich während des ganzen Laufs nur 3bis 4-mal auf die Uhr geschaut hatte und das auch nur, um Gefühl mit Herzfrequenz zu vergleichen. Auf der 1. Runde wurde ich fast ausschließlich überholt. Kein Wunder in diesem Bereich des Feldes laufen die meisten 10-20 min schneller als ich über die Distanz gesehen. Mir war es egal, weil ich darauf eingestellt war. Ich freute mich, dass mir sogar noch alle Profimänner entgegenkamen und ich so wenigstens etwas von Ihnen mitbekam – bin halt auch Fanboy. Nach dem Wendepunkt kamen dann bei mir noch die Top3 der Frauen vorbei. Durch die Wendepunktstrecke konnte ich aber auch da das komplette Feld sehen. Auf der zweiten Runde bemerkte ich dann, dass mir doch etwas die Energie ausging. Da war ich aus Respekt vor Übelkeit vielleicht doch etwas zu defensiv mit den Kohlenhydraten. Ich griff dann zusätzlich noch auf einen Energydrink des Veranstalters zurück, was mir „Flügel“ verlieh für die letzten Kilometer. So konnte ich nochmal anziehen und die Ziellinie nach einem Halbmarathon in 1:43:45 Std und einer Gesamtzeit von 5:00:34 Std überqueren.
Da ich nicht auf die Uhr schaute, wusste ich nicht, dass eine Zeit unter 5 Std drin war. Geärgert hatte ich mich nur kurz, weil das Rennen einfach viel zu viel Spaß gemacht hat.
Am Ende sprang Rang 64 in der Altersklasse und Platz 317 bei den Männern (von 1536) heraus.
Darauf lässt sich aufbauen für die kommenden Ziele.

Vielen Dank an Niklas, der mich das komplette Rennwochenende unterstützt und einen Weltklassesupport an der Strecke gemacht hat. Vielen Dank an Theresa für die super Vorbereitung, die perfekte Rennstrategie und für den Support bei strömenden Regen an der Strecke. Vielen Dank an euch, dass ihr diesen ausführlichen Bericht gelesen habt. Ich hoffe, dass ich euch gute Eindrücke vermitteln konnte.

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